Egal in welchem Land und in welchem Alter, Mundhygiene ist ein großes Thema. Für die Pflege von Zähnen und Mund geben Menschen so einiges aus und probieren viele neue und innovative Produkte. Dabei gibt es einen natürlichen Stoff, welcher nicht nur Mundraum und Zähne schont und pflegt, sondern zudem noch seit vielen Jahrzehnten bekannt ist. Die Rede ist von Birkenzucker, auch unter dem Fachbegriff Xylit bekannt.

Der Markt an Zahnpflegemitteln ist groß und es tummeln sich zahlreiche – leider meist chemische – Zusatzstoffe darin. Nicht jeder ist ein Fan von Chemie im Mund und so suchen viele Leute nach Ersatz für die chemischen Zahnreinigungsprodukte.

Birkenzucker findet sich im Bereich der Zahnpflege inzwischen in zahlreichen Produkten. So zum Beispiel in Zahnpasta und auch in Mundwasser. Vor allem die Hersteller von Zahnpflegekaugummis schwören auf die für Birkenzucker typische Kombination aus Süße und Pflege für die Zähne.

Doch Mundhygiene und Zahnpflege fängt nicht erst bei Zahnpasta, Mundwasser und Co. an. Bereits die Wahl der Nahrungsmittel und deren Inhaltsstoffe beeinflussen Mundhygiene und Zustand der Zähne. Den schlimmsten Feind des Zahns kennst auch Du mit Sicherheit: Zucker.

Doch wie kannst Du Lebensmittel ohne Zucker süßen? Und gibt es Produkte im Bereich der Mundpflege, welche natürlich und vielleicht sogar vorbeugend gegen Karies sind?

Die Antwort auf beide Fragen ist Xylit.

 

Doch was ist das… Xylit?

 

Vielleicht ist Dir Xylit unter einem anderen Namen bekannt, denn Bezeichnungen für Xylit gibt es viele.

  • Xylit
  • Xylitol
  • Birkenzucker
  • E967
  • Xucker

Bei Birkenzucker handelt es sich um einen Zuckeralkohol, welcher der normalen Saccharose, also dem Haushaltszucker, sehr ähnlich ist. So handelt es sich bei Xylit wie auch beim Haushaltszucker um kleine weiße Kristalle. Und auch in der Süße sind sich die beiden Stoffe äußerst ähnlich. Doch hat Birkenzucker gegenüber seinem handelsüblichen Kollegen Zucker einige Vorteile, welche vor allem im Bereich der Mundhygiene zu finden sind.

Seine Bezeichnung Birkenzucker verdankt Xylit übrigens seinen Anfängen. In dieser Zeit, als Xylit noch etwas völlig neues war, wurde es vorwiegend aus dem Holz der Birke gewonnen – so entstand der Name Birkenzucker.

 

Birkenzucker – schmeckt das überhaupt?

 

Xylit ähnelt nicht nur in seinem Aussehen, sondern auch im Geschmack dem normalen Haushaltszucker sehr stark. Setzt man die Süße von Haushaltszucker mit einem Wert von 100 % fest, schafft es Birkenzucker auf stolze 98 % an Süße. Und das ganz ohne irgendeinen Beigeschmack. Süße pur, das ist Xylit.

Eine Besonderheit gibt es bei Birkenzucker allerdings: Er erzeugt im Mundraum ein kühles Gefühl, so wie Du es wahrscheinlich von Menthol kennst. Dieser Effekt entsteht, wenn sich Xylit mit Deinem Speichel verbindet. Dabei wird der Umgebung, in diesem Falle also Deinem Mundraum, Wärme entzogen. Ein kühles Gefühl im Mund entsteht.

Geschichte und Herstellung

 

Birkenzucker ist wahrlich keine neue Erfindung, beginnt doch seine Geschichte bereits  im Jahr 1890. Es war der Deutsche Emil Fischer, seines Zeichens Chemiker, welcher zusammen mit Rudolf Stahel Xylit entdeckte. Zeitgleich gewann auch der Franzose M. G. Bertrand eine Art von Xylitsirup aus Weizen und Hafer.

Das nächste Kapitel in der Geschichte des Birkenzuckers wurde während des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Denn zu dieser Zeit wurde der Zucker knapp und man erinnerte sich zumindest in Finnland wieder an Xylit und seine Süße. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde weiter an dem Stoff geforscht, war doch das bis dahin äußerst aufwendige Gewinnungsverfahren wirtschaftlich unrentabel.

Im Jahre 1950 war es der US-amerikanische Forscher Dr. Oscar Touster, welcher entdeckte, dass Xylit nicht nur in Holz und Pflanzen vorkommt, sondern auch im menschlichen Zwischenstoffwechsel entsteht.

Drei Jahre lang, von 1972 bis 1975 arbeitete die finnische Turku-Universität an zwei Studien. Mit diesen war sie in der Lage, die kariesreduzierende und somit zahnschonende Wirkung von Xylit nachzuweisen.

Hergestellt wird es bis heute aus Baumteilen, genauer gesagt aus der Rinde diverser Bäume. Das Verfahren ist damals wie heute ein technisch aufwendig Prozess. Xylose, auch Holzzucker genannt, wird dabei aus den Fasern der Hölzer gewonnen und  mit Hilfsmitteln, hohen Temperaturen und Druck weiterverarbeitet. Das Ergebnis: Xylit.

 

Birkenzucker und seine Vorteile

 

Xylit hat, vor allem im Bereich der Mundhygiene, viele Vorteile und positive Wirkungen. Es

  • schont die Zähne
  • wirkt antikariogen
  • fördert die Speichelbildung
  • hat einen remineralisierenden Effekt auf die Zahnhartsubstanz
  • mindert unangenehmen Mundgeruch
  • hemmt die Bildung von Zahnbelag
  • stärkt den wichtigen Zahnschmelz
  • erhöht den pH-Wert im Mundraum

 

Doch auch abseits der Mundhygiene überrascht Xylit mit zahlreichen positiven Eigenschaften. Birkenzucker

  • hat nur wenig Kalorien
  • ist für Diabetiker geeignet
  • verfügt über nur wenig Kohlehydrate
  • wirkt stabilisierend auf den Blutzuckerwert
  • schafft Abhilfe bei Verstopfung
  • wirkt positiv auf die Darmflora

 

Zahnschonende Wirkung entfaltet Xylit vor allem deshalb, da es von den kariesverursachenden Bakterien in Deinem Mund nicht verarbeitet werden kann. Dies hat zur Folge, dass die Bakterien keine Säure produzieren können und Deine Zähne somit nicht angegriffen werden. Auch die Bildung von Plaque wird durch dadurch reduziert.

Durch den erhöhten Speichelfluss sorgt Birkenzucker für mehr Speicheleiweiße und Calcium im Mundraum. Dies wiederum wirkt sich positiv auf die Zahnhartsubstanz aus, wird diese doch dadurch gestärkt und remineralisiert. Ebenfalls positiv wirkt sich Birkenzucker auf den pH-Wert im Mund aus.

Ein weiterer Vorteil von Xylit liegt in der Verringerung von Mundgeruch, der ja häufig als unangenehm empfunden wird.

Wie eine Studie der finnischen Turku-Universität im Jahr 2000 zeigte, wirkt sich Xylit zudem auch auf die Zahngesundheit von Kindern positiv aus, sofern die Mutter regelmäßig Kaugummis mit Xylit genießt. Allerdings muss hier auch eine Studie angeführt werden, welche im Jahr 2013 stattfand. Demnach besteht kein vorbeugender Schutz vor Karies bei Personen, welche auf eine ausreichende Aufnahme von Fluorid achten.

Auch abseits der Mundhygiene erfreut Birkenzucker durch viele Vorteile. So ist Xylit für Diabetiker geeignet, da es lediglich einen niedrigen Blutglukose-Anstieg nach dem Essen verursacht und so für einen stabilen Blutzuckerwert sorgt.

Auch wenn Du Dein Gewicht reduzieren möchtest, kann Birkenzucker unterstützend eingesetzt werden, da Xylit sehr kalorienarm ist. So verfügt er über rund 40 % weniger Kalorien als normaler Haushaltszucker. Und auch der Anteil der Kohlehydrate von Xylit sind um 75 % geringer als bei Kristallzucker.

Ebenfalls erfreulich wirkt Xylit auf die Darmflora. So kann der Zuckeraustauschstoff bei Verdauungsproblemen wie etwa Verstopfung Erleichterung bringen.

Auch als Energielieferant erzielt Birkenzucker positive Effekte. Im Gegensatz zu normalem Kristallzucker oder Traubenzucker setzt Xylit Energie nicht schnell und abrupt ab, sondern erfreut durch eine langsame und vor allem gleichmäßige Energiefreigabe in Deinem Körper.

 

Wo ist Birkenzucker enthalten?

 

Birkenzucker kommt vor allem in der Rinde bestimmter Hölzer vor. So zum Beispiel im Holz der Birke und im Holz der Buche. Aber auch in Stroh ist Xylose enthalten.

Doch nicht nur in Holz, auch in Gemüse wie beispielsweise Maiskolben und Blumenkohl findet sich Xylose. Ebenso in Früchten wie zum Beispiel Erd- und Himbeeren oder auch in Pflaumen. Hier ist der Xylose-Anteil jedoch meist weniger als 1 Prozent der Trockenmasse. Du isst gerne Kokosnüsse? Auch darin ist Xylose enthalten.

Aus all diesen Hölzern und Lebensmitteln kann Xylit gewonnen werden, doch nur Holz beinhaltet eine ausreichende Menge. Das Verfahren der industriellen Gewinnung von Birkenzucker ist aufwendig. Zum Einsatz bei der Birkenzucker-Herstellung kommen Natronlauge oder auch Schwefelsäure sowie hohe Temperaturen von um die 200 °C. Bei dieser Hitze wird hoher Druck erzeugt und mit Hilfe eines Katalysators Xylose so zu Xylit umgesetzt. Die aufwendige Herstellung ist auch der Grund für den relativ hohen Kaufpreis von Birkenzucker.

Wissenswert: Nicht nur in Hölzern, Blumenkohl und Co. kommt Xylit vor, es findet sich auch im menschlichen Körper. So fallen im Zuge des Kohlehydrateabbaus in der Leber pro Tag bis zu 10 Gramm als Zwischenprodukt an.

 

Wie ist Birkenzucker verwendbar?

 

Birkenzucker ist vielseitig und findet in vielen Bereichen Verwendung. So unter anderem aufgrund seiner antikariogenen Wirkung

  • in Zahnpasta
  • in Mundwasser
  • in Kaugummis
  • Zahnpflege-Bonbons

 

Aufgrund seiner Süße

  • als Süßungsmittel für Getränke
  • beim Backen
  • beim Kochen
  • in Süßspeisen
  • in Marmeladen
  • in Müsli
  • und vielem mehr

 

Auch im Back-Bereich wird Birkenzucker verwendet. Jedoch gibt es hier eine Ausnahme: Hefeteig. Hier solltest Du keinen Birkenzucker verwenden. Grund dafür sind die Hefepilze. Sie können nicht mit Xylit reagieren. Dementsprechend kann der Teig nicht aufgehen.

Als Zuckerersatz findet Xylit Verwendung als Süßungsmittel im Bereich der Gewichtsreduktion.

 

Wie wirkt Birkenzucker in der Mundhygiene?

 

Im Gegensatz zu Zucker kann Xylit von kariesverursachenden Bakterien nicht verstoffwechselt werden. Das erfreuliche Ergebnis: keine Säureproduktion und in Folge dessen keine zahnschädigende Wirkung. Zudem sterben kariesverursachende Bakterien aufgrund der nicht möglichen Verstoffwechselung von Xylit mit der Zeit ab.

Die fehlende Säureproduktion sorgt für gesündere und somit glattere Zähne, was zu einer geringeren Plaqueanhaftung führt.

 

Wie wird Birkenzucker verstoffwechselt?

 

Birkenzucker wird im Körper nur langsam verarbeitet. Dabei werden nur rund 25 % der in Xylit enthaltenen Kohlehydrate verstoffwechselt. Der Grund dafür liegt auf der Hand, handelt es sich bei Xylit doch um einen mehrwertigen Alkohol. Dieser wird vom Dünndarm nur anteilig absorbiert.

Mit lediglich 10 KiloJoule pro Gramm ist der physiologische Brennwert von Xylit rund 40 % niedriger als der Brennwert von normalem Haushaltszucker. Und auch die Beeinflussung des Blutzuckerspiegels ist geringer als bei Haushaltszucker. Dies ist auch mit der Grund, warum Xylit gerne von Personen mit Diabetes Mellitus als Zuckerersatz verwendet wird, wirkt er doch wie ein naturhafter Insulinstabilisator.

 

Wer kann Birkenzucker einnehmen?

 

Eingenommen werden kann Birkenzucker von jedem Menschen, unabhängig vom Lebensalter. Auch für Diabetes Mellitus-Patienten ist Birkenzucker geeignet. Lediglich Deinen Tieren solltest Du kein Xylit geben, da es für manche Tiere, wie beispielsweise Hunde, große gesundheitliche Risiken birgt und toxisch auf sie wirkt.

Willst Du Deine Ernährung von Zucker auf Xylit umstellen, solltest Du das nicht von heute auf morgen machen. Besser ist die Umstellung in kleinen Schritten. Schließlich muss sich Dein Körper an den Zuckeraustauschstoff, selbst wenn er noch so gesund ist, erst einmal gewöhnen.

Die optimale Menge an Birkenzucker für die Mundhygiene liegt bei 5 bis 10 g je Tag und sollte auf mehrere Portionen aufgeteilt werden. Die maximale Xylit-Dosis liegt bei 150 g täglich für Erwachsene und maximal 40 g für Kinder.

 

Risiken und Nebenwirkungen von Birkenzucker

 

Wie so vieles ist auch Birkenzucker nicht völlig frei von Risiken und Nebenwirkungen.

Eine der Nebenwirkungen tritt vermehrt in der Eingewöhnungsphase während der Ernährungsumstellung auf: Durchfall und Blähungen. Diese halten meist bis zu 5 Wochen an und klingen ab, sobald sich Dein Körper an Birkenzucker als Zuckerersatz gewöhnt hat.

Hinzu kommen Darmgeräusche sowie in seltenen Fällen vermehrtes Hungergefühl. Noch nicht völlig geklärt ist, inwiefern Xylit im Körper für Chaos sorgen kann. Dr. Thomas Walser meint hierzu, dass Xylit den Hunger anregt, ohne ihn jedoch zu stillen und so folglich die Kontrolle der Essensmenge erschwert wird.

 

Birkenzucker kaufen – woher?

 

Erhältlich ist Birkenzucker als Pulver zum Süßen von Speisen und Getränken, zum Kochen und zum Backen. Auch in vielen Süßwaren ist Xylit bereits als Zuckerersatz enthalten.

Im Bereich der Zahnpflege findet sich Xylit in vielen Zahncremes und Mundwassern. Auch in zahnpflegende Kaugummis oder Lutschbonbons ist Birkenzucker ein fester Bestandteil.

Erwerben kannst Du Birkenzucker in Drogerie- und Supermärkten sowie in Online-Shops. Die größere Auswahl wirst Du sicherlich online finden, da sich Xylit aufgrund seines im Vergleich zu Zucker höheren Kaufpreises noch nicht wirklich durchgesetzt hat.

 

Quellen:

http://www.netdoktor.at/gesundheit/gesunde-ernaehrung/birkenzucker-6870740

http://superveganer.de/2014/07/31/birkenzucker-eigenschaften/

http://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Ist-Xucker-besser-als-Zucker;art114,1349814

http://www.ktipp.ch/artikel/d/birkenzucker-besser-verzichten/

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