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Jeder kennt sie, die Parodontose aus der Zahnpastawerbung und den Apfel, in den wir morgen noch kraftvoll zubeißen wollen. Diese Begriffe und Symbole sind uns so geläufig wie Currywurst und Pommes. Klar, Zähneputzen ist angesagt, muss ja auch sein. Das lernt schon jedes Kind. Und seit einiger Zeit gehört auch die Reinigung der Zunge dazu. O. k., noch nicht immer, aber immer häufiger. Du willst ja beim Küssen einen guten Eindruck hinterlassen und eine belegte Zunge sieht auch nicht gerade lecker aus. Genauso wenig wie ein gerötetes oder gar blutendes Zahnfleisch beim Essen oder Zähneputzen. Und komischerweise blutet es oft genau dann, wenn man die empfohlene Zahnseide verwendet, die doch eigentlich bei der Zahnreinigung helfen soll – ein erstes Anzeichen auf dem Weg zur Zahnfleischentzündung.

Entzündetes Zahnfleisch: Die Vorstufe zur Parodontose

Dass Zahnfleischbluten und Parodontose, also die Zahnfleischentzündung mit Schädigung von Bindegewebe und Knochens, nicht nur ein kosmetisches Problem darstellen, sondern wichtige Warnsignale sind, merken wir erst, wenn sich etwas im Mund verändert. Vor der Parodontose kommt die Vorstufe, die Gingivitis, also die reine Zahnfleischentzündung noch ohne Schäden am Knochen, bei deren Auftreten Du schon aktiv werden musst. Vereinbare am besten direkt einen Termin bei Deinem Zahnarzt, wenn diese Anzeichen bei der Zahnreinigung oder beim Essen auftreten:

 

  • Bei der Reinigung mit Zahnseide oder beim Putzen der Zähne tritt Zahnfleischbluten auf
  • Die Optik Deiner Zähne verändert sich, die Zähne werden anscheinend länger
  • Das Zahnfleisch ist ungleichmäßig gerötet oder Du hast gar geschwollenes Zahnfleisch
  • Die Zähne scheinen lockerer zu werden oder verschieben sich
  • Die Zähne bekommen braune Stellen, Zahnstein bildet sich
  • Es breitet sich Mundgeruch aus.

 

Hast Du solche Veränderungen bemerkt, solltest Du unbedingt einen Spezialisten aufsuchen. Es gibt viele Ursachen, die zur Zahnfleischentzündung führen können. Und viele Möglichkeiten, wie Du sie wieder los wirst und Dir selbst helfen kannst.

 

Welche Funktion hat das Zahnfleisch eigentlich?

Es ist schon komisch. Niemand würde fragen, welche Funktion unsere Zähne haben. Aber wozu das Zahnfleisch eigentlich da ist, überlegt man sich kaum. Dabei dient es nicht nur dazu, die Zähne strahlend zur Geltung zu bringen, sondern es hat eine ganz wichtige Funktion für unsere Gesundheit allgemein.

 

Der Zahn steckt nämlich nicht, wie man denken möchte, im Kieferknochen wie ein eingeschlagener Nagel, sondern er ist flexibel an elastischen Fasern in seinem Knochenfach befestigt. So ist er ein wenig beweglich und zugleich stoßgedämpft. Das Zahnfleisch (lat. die Gingiva) hat die Aufgabe, den Zahn vor Bakterien zu schützen. Daher liegt es wie eine Manschette um den Zahnhals herum, an der Stelle, an der ein Zahn aus dem Kiefer herauskommt. Dort hätten aggressive Feinde sonst freie Bahn. So schützt gesundes Zahnfleisch dicht und sehr wirkungsvoll den Zahnhals und den Kieferknochen gegen Bakterien ab, die liebend gerne in diesen Austrittsspalt gelangen würden. Und von diesen sehr aktiven Bakterien haben wir im Mund mehrere Hundert Arten. Genau genommen ist der Mund also eine der schmutzigsten Stellen des Körpers. Und eine der Wichtigsten für unsere Gesundheit dazu.

 

Ist das Zahnfleisch gesund, ist diese Schutzbarriere sehr wirksam. Nichts kann bis zum Kieferknochen vordringen. Viren und Bakterien führen ein trostloses Dasein. Und wir sehen auch noch frisch und gesund aus. Das gesunde Zahnfleisch ist blassrosa, straff und bildet zwischen den Zähnen ein kleines Dreieck. Am vorderen Rand der Zähne grenzt die Zahnfleischfurche den Zahn ein. Bei schlechter Hygiene bilden sich hier rasch Zahnfleischtaschen, in denen Bakterien sich pudelwohl fühlen. Das Zahnfleisch ist dann z. B. an der Zahnfront leicht verdickt und gerötet. Häufig begleitet von Mundgeruch blutet es schnell bei Berührung. In schweren Fällen kann es hier sogar zu Eiterungen kommen.

 

Erkennt man das Problem jedoch früh, kann im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung der hygienische Zustand wieder hergestellt werden, ohne dass nicht mehr zu regulierende Folgeschäden entstehen. So eingerahmt kommen unsere Zähne schön zur Geltung und haben einfach Biß.

 

Was kannst Du für gesundes Zahnfleisch tun?

Um die Schutzbarriere Deiner Zähne gesund zu halten, kannst Du einiges tun. Vor allem, musst Du mehrmals täglich den Biofilm aus Bakterien und Speiseresten von Zähnen, Zahnfleisch und Zunge entfernen. Das geht nach wie vor am besten mechanisch, also mit 2-3 Mal Zähneputzen pro Tag. Wenn uns auch gerne die Marketingprofis etwas anderes vermitteln wollen, bleibt dennoch nur der Weg zu Zahnbürste, Zahnseide, Interdentalbürste, Munddusche und Zungenreiniger. Wobei die Munddusche dabei eher Wohlfühlcharakter hat. Mundwässer oder Kaugummis geben Dir zwar ein Gefühl der Frische, unterstützen jedoch höchstens. Viele Produkte überdecken bestenfalls den Geschmack von schlechter Mund- und Zungenhygiene.

 

Ob Du zum Zähneputzen zur elektrischen oder manuellen Zahnbürste greifst, ist nicht ausschlaggebend. Wobei allerdings festgestellt wurde, dass elektrische Zahnbürsten wesentlich gründlicher und zugleich schonender reinigen. Viele Modelle warnen vor zu starkem Anpressdruck, der das Zahnfleisch verletzen könnte und signalisieren eine Mindestputzdauer von zwei Minuten. Letztlich kannst Du Deine Zähne auch mit einer gewöhnlichen Handzahnbürste gut reinigen, wenn Du Dir Zeit nimmst und Dich dazu einmal professionell beraten lässt. Denn wichtig sind nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Putzmethode, der Druck mit dem Du die Zahnbürste aufdrückst und der regelmäßige Austausch der Bürste. Sonst verkommt die Zahnbürste schnell zu einer regelrechten Bakterienschleuder, durch die immer wieder Bakterien im Mundraum verteilt werden.

 

Ein Zahn hat übrigens insgesamt fünf Seiten, die es zu Putzen gilt. Außen, innen, oben, rechts und links. Besonders solltest Du bei der Reinigung auf die Zahnzwischenräume, also die rechts und links des Zahnes, achten. Hier lagern sich ständig Speisereste ab, die von Bakterien liebend gerne vertilgt werden. Diese Spalten und Ritzen unbedingt mindestens einmal täglich mit Zahnseide und Interdentalbürsten (Zahnzwischenraumbürsten) reinigen.

 

Für die meisten Menschen ist die Zahnreinigung von Kindesbeinen an selbstverständlich. Die Zunge zu reinigen, ist dagegen noch häufig Neuland. Dabei ist gerade die Zunge ein Paradies für Bakterien. Durch die Vertiefungen in der Zungenoberfläche finden die aggressiven Mitbewohner angenehm warme und feuchte Bedingungen, die Ihnen alles bieten, was sie brauchen. Auch wenn die Zungenreinigung zuerst ungewohnt und nicht wirklich angenehm ist, ergänze Dein Zahnreinigungsprogramm einfach um diese kleine Prozedur und Du wirst Dich noch um Einiges wohler und gesünder fühlen.

 

Neben der Mundhygiene sind auch für Dein Zahnfleisch eine gesunde Ernährung und Lebensweise besonders wichtig. Was allerdings gesund im allgemeinen Sprachgebrauch ist, muss es nicht für Deine Zähne sein. Klar, mit Zucker und zuckerhaltigen Getränken und Speisen solltest Du sehr sparsam umgehen. Generell ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt wichtig, d. h. möglichst wenig raffinierte Kohlenhydrate und industriell verarbeitete Lebensmittel. Aber auch vermeintlich gesunde Lebensmittel wie säurehaltige Früchte, Säfte und Joghurt kratzen an der Zahngesundheit.

 

Dagegen unterstützen andere Lebensmittel und Getränke gesunde Zähne. So haben grüner und schwarzer Tee eine nachgewiesen karieshemmende Wirkung. Die Gerbsäure im Tee spielt hier mit den Muskeln. Käse hat einen schützenden und sogar remineralisierenden Effekt.

 

Noch ein Tipp: Parke Alkohol und Zigaretten auf Deiner täglichen Liste ganz unten. Denn sie gehören ganz sicher nicht zu den zahngesunden Gewohnheiten.

 

Wie und warum entsteht eine Entzündung des Zahnfleischs?

Gesundes Zahnfleisch entzündet sich nur dann, wenn es mechanisch angreifbar gemacht wird oder eben nicht mehr gesund ist. Denn so einfach die Aufgabe des Zahnfleisches ist, so kompliziert und vielschichtig sind die Ursachen für eine Gingivitis. Erst aus einer unbehandelten Zahnfleischentzündung entsteht eine Parodontose, also die Entzündung des Zahnfleisches mit Knochenabbau und möglichem späterem Zahnausfall.

 

Eine der häufigsten Ursachen ist schlicht hausgemacht: Die Verletzung des Zahnfleisches durch zu intensives Putzen oder durch unsachgemäßen Umgang mit der Zahnseide. Wer unter Zahnfleischbluten leidet, ob beim Essen oder während der Zahnhygiene, sollte hier behutsamer agieren. Nimm Dir mehr Zeit für Deine Mundhygiene, reduziere den Druck beim Putzen der Zähne und entscheide Dich für Zahnseide und Interdentalbürsten, die Dir angenehm sind. Genügend Modelle gibt es im Handel.

 

Auch Zahnspangen oder schlecht sitzender Zahnersatz können übrigens Ursachen für blutendes Zahnfleisch sein.

 

Kannst Du keine entsprechende Verletzungsursache für Dein Zahnfleischbluten feststellen, handelt es sich um eine durch Bakterien hervorgerufene Entzündigung. Sichtbar auch durch angeschwollenes oder sogar bereits zurückgehendes Zahnfleisch. Hier wurde schlicht die Mundhygiene vernachlässigt. Spätestens jetzt solltest Du den Rat eines Zahnarztes einholen.

Bei Rauchern tritt übrigens häufig eine starke Rötung des Zahnfleischrandes auf, ohne zu bluten.

 

Weitere Gründe für Zahnfleischentzündung

Leider gibt es darüber hinaus noch Gründe, die gar nicht im Mundbereich zu suchen sind. Auch Situationen ganz anderer Art können zu Zahnfleischentzündungen führen, wobei diese Gründe seltener vorkommen:

 

  • Diabetes
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Vitamin-C-Mangel
  • Leukämie
  • Immunschwäche
  • Stress
  • Schwermetallvergiftung, z. B. durch Amalgam oder Quecksilber
  • Durchbruch der Weisheitszähne
  • Rauchen und Mundtrockenheit.

 

Gerade die Mundtrockenheit bietet wiederum Bakterien beste Bedingungen. Dabei geht es nicht immer nur um die Flüssigkeitsmenge, die Du zu Dir nimmst, häufig sind auch Medikamente oder Stoffwechselstörungen ursächlich für den trockenen Mund. Um vorzubeugen, trinke am besten mindestens 2–3 Liter Wasser pro Tag.

 

Die Folgen einer Zahnfleischentzündung

Ca. 80 – 90 Prozent aller Erwachsenen leiden unter chronischer Zahnfleischentzündung. Diese enorm hohe Zahl wird noch viel gewichtiger, wenn man bedenkt, wie der weitere Verlauf einer unbehandelten Zahnfleischentzündung ist: Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Verlust eines Zahnes in der Folge einer Zahnfleischentzündung völlig „normal“. Man kannte weder Mittel, noch konkrete Ursachen. Klar war nur, dass im weiteren Verlauf eine Parodontose entsteht (eigentlich korrekt medizinisch Parodontitis), die mit Schäden im Zahnhalteapparat einhergeht. Dieser Zahnhalteapparat besteht aus Zahnfleisch, Zahnfleisch-Fasern, Wurzelzement und dem Kieferknochen. Bei einer unbehandelten Entzündung lockert sich das Zahnfleisch, die Zahnhälse liegen frei und Bakterien haben die für sie idealen Bedingungen. Es entsteht oft schmerzhafte Karies, die betroffenen Zähne werden instabil, sie beginnen zu wackeln, fangen an, sich zu verschieben und fallen irgendwann aus.

 

Die Bakterien laufen dann erst zur Hochform auf. Sie suchen sich neue Orte im Körper. Über das Zahnfleisch gelangen sie nicht nur in den Knochenapparat, sondern über die Blutbahn in ganz neue Areale Deines Körpers. Heute weiß man, dass Parodontosepatienten ein geschwächtes Immunsystem haben und ein stark erhöhtes medizinisches Risiko tragen, bestimmte Krankheiten zu bekommen. Dazu gehören, alle Herz-/Kreislauferkrankungen, Schlaganfall und Diabetes. Sogar das Risiko einer Frühgeburt kann u.  U. durch eine starke Parodontose extrem gesteigert werden.

 

Während man bei der Gingivitis, der Zahnfleischentzündung ohne Schädigung von Bindegewebe und Knochen, noch von einer Entzündung im Mundraum spricht, ist die Parodontose bereits als Krankheit des ganzen Körpers anerkannt. Ein Grund mehr, prophylaktisch, also vorbeugend, tätig zu werden.

 

Was kannst Du neben einer guten Mundhygiene noch tun?

Wer zusätzlich zu einer ausgezeichneten Mundhygiene etwas tun möchte, um sein Zahnfleisch gesund zu halten oder, um die Entzündung rasch zum Abklingen zu bringen, hat noch viele Möglichkeiten. Es bieten sich Schüßler Salze, homöopathische Mittel und Hausmittel an.

 

Wichtig ist zuerst eine professionelle Zahnreinigung, mindestens einmal jährlich. Hier werden Taschen gereinigt, sowie Zahnstein und hartnäckige Beläge auf den Zähnen entfernt.

 

Um die abheilende Wirkung zu unterstützen, spülst Du den Mund am besten täglich mit frisch aufgebrühtem Kamillentee. Auch Salbeitee unterstützt die Heilung, zumal Salbei antibakteriell wirkt. Um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, solltest Du frische oder getrocknete Kräuter heiß aufgießen und dann abkühlen lassen. Teebeutelinhalte sind meist zu niedrig dosiert und häufig durch zu lange Lagerung unwirksam. Nach dem Abkühlen besonders im Bereich der Zahnfleischentzündung spülen und einige Zeit im Mund lassen. Dann ausspucken, aber nicht nachspülen.

 

Effektive Mundspülungen können auch mit ein paar Tropfen Teebaum- oder Nelkenöl in Wasser durchgeführt werden: Gewürznelken bzw. Nelkenöl wirken antibakteriell und antiseptisch. Falls bereits Zahnschmerzen bzw. Zahnfleischschmerzen auftreten, helfen Nelken durch ihre schmerzlösende Eigenschaft.

 

Teebaumöl ist ebenfalls durch seine stark antibakterielle und schmerzlindernde Wirkung und als Mittel gegen Zahnfleischentzündung bekannt.

Achte immer auf beste Qualität und eine konsequent biologische Anbauweise.

 

Schüßler Salze sind Mineralsalze, die von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler als Funktionsmittel bezeichnet wurden. Auf natürliche und nebenwirkungsarme Weise können sie Funktionsstörungen im Körper beseitigen und ihn wieder ins Gleichgewicht bringen. Welche der 12 Salze plus später entwickelter Zusatzsalze passen, entscheidet am besten ein entsprechender Naturheilkundler, der Dich auch über Mittel der Homöopathie beraten kann.

 

Deine Parodontosevorsorge: PSI (Parodontaler Screening Index)

Lass einen PSI (Parodontaler Screening Index) durchführen. Dabei beurteilt der Zahnarzt oder die Dentalassistentin den Zustand Deines Zahnfleisches. Dazu werden völlig schmerzfrei die Tiefe Deiner Zahnfleischtaschen, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeit der Zahnoberfläche gemessen. Die Werte werden zusammengefasst und mit den Indexvorgaben verglichen. Je nach Schwergrad ergibt sich so eine entsprechende Therapie.

Dieser Parodontosecheck gilt mittlerweile als notwendig. PSI wird daher alle zwei Jahre von der Kasse bezahlt.

 

Wo kannst Du Dich rund um die Zahnfleischentzündung informieren?

Die kassenzahnärztliche Bundesvereinigung hat einige empfehlenswerte Informationen zur Zahnfleischentzündung auf ihrer Homepage zusammengestellt: http://www.kzbv.de/zahnfleischentzuendung.72.de.html

 

Speziell zum PSI (Parodontale Screening Index) lies hier weiter: http://www.kzbv.de/der-parodontale-screening-index-psi.99.de.html

 

Jede Krankenkasse bietet auf ihrer Website Informationen zur Zahnpflege und zahnmedizinischen Prophylaxe an. Hier z. B. die Techniker Krankenkasse: https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/48664/Datei/158432/TK-Broschuere-Die-Zaehne.pdf

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